Interview mit Michael Hagspiel

Interviewfragen an Michael Hagspiel – Geschäftsführer der Ländle Gemüsekiste

Hanna: Hallo Michael, ich freue mich, dass du dir Zeit nimmst, um mir ein paar Fragen zu beantworten. In meiner Nachricht, habe ich ja bereits über die aktuelle Hitzewelle und den Zusammenhang zu saisonalem und regionalem Gemüse gesprochen. Außerdem wurde in dem Bericht darauf eingegangen, wie durch die Beschaffung und Nutzung von lokalem Gemüse zusätzlich Geld gespart werden kann. Jetzt würde ich, um das Thema abzurunden, gerne noch deine Meinung zu dem Thema hören und ein paar Hintergrundinformationen zur Ländle Gemüsekiste bekommen.

Erzähl mir zu Beginn, wie du zur Gemüsekiste gekommen bist. Du bist ja erst seit kurzem Geschäftsführer der Ländle Gemüsekiste, wie war der Weg dorthin?

Michael Hagspiel: Ich durfte ab 2017 meinen eigenen Honig als Zusatzkiste liefern. Den Kontakt zur Gemüsekiste konnte ich durch den Onkel meiner Frau herstellen. Die frühere Gemüsekisten-Inhaberin Daniela erzählte mir 2019, dass sie einen Nachfolger sucht. Nach mehreren Gesprächen kündigte ich meinen langjährigen Job als Assistent der Geschäftsführung bei der Firma Alfi Getränke und übernahm die Ländle Gemüsekiste.

Das Konzept der Ländle Gemüsekiste ist es, das ganze Jahr über regionales und saisonales Gemüse von heimischen Bauern bis vor die Haustüre auszuliefern. Und das jede Woche. Lediglich im Winter gibt es eine kleine Lieferpause. Welcher Aspekt dieses Konzeptes gefällt dir am besten und warum?

Michael Hagspiel:. Ich bin mir sicher, dass die Partnerschaft zwischen den Landwirten und der Ländle Gemüsekiste ein wesentlicher Aspekt ist. Viele Menschen würden gerne frisches, heimisches Gemüse direkt vom Landwirt beziehen – und viele Landwirte würden es gerne direkt an die Menschen vermarkten.  Hier komme ich ins Spiel. Die Landwirte können sich voll auf ihre Kernaufgabe konzentrieren und müssen sich nicht ums Marketing kümmern. und Ich erledige den Rest – so geht jeder in seiner Berufung auf und wir ergänzen uns maximal.

Es arbeiten rund 15 Mitarbeiter für die Gemüsekiste, die wöchentlich in die Ernte, die Verpackung und die Lieferung des Gemüses involviert sind. Wie ist der Bezug zur Regionalität im Team? Ist den Mitarbeitern die Wichtigkeit des Themas bewusst? 

Michael Hagspiel: Alle meine Mitarbeiter bekommen von mir wöchentlich eine Gemüsekiste zur Verfügung gestellt, somit ernähren sie sich regional und saisonal. Was sie sonst im Alltag tun, ist natürlich ihnen überlassen. Aber ich bin froh, so ein tolles, bodenständiges Team zu haben.

Ihr liefert wöchentlich über tausend Kisten in ganz Vorarlberg aus. Wer sind eure Kunden? Was macht den Kundenstamm aus?

Michael Hagspiel: Unsere Kunden sind junge Familien, aber auch ältere Menschen, die unseren Service schätzen.  Sie sind mit ihrer Heimat tief verwurzelt und stellen Qualität über Preis. Deshalb liegt unser Fokus darauf, ausschließlich Gemüse aus Vorarlberg anbieten – und das auch noch saisonal.

Was denkst du: Was macht den Unterschied von der Ländle Gemüsekiste zum Gemüse aus dem Supermarkt aus?

Michael Hagspiel: Wenn du es siehst, bemerkst du den Unterschied. Wir bekommen von Kunden oft gesagt, dass es nirgends solche Salate gibt, wie bei in der Ländle Gemüsekiste. Oder, dass sie noch nie so große Radieschen gesehen haben, wie wir sie liefern. Wir stellen unsere gesamten Gemüsekisten innerhalb von 48 Stunden nach dem packen zu. Frischer geht’s nicht.

Habt ihr Auswirkungen der diesjährigen Hitzewelle an eurem Gemüse zu spüren bekommen? Wie denkst du, wird sich der Klimawandel in den nächsten zehn Jahren auf eure Arbeit auswirken?

Michael Hagspiel: Der Klimawandel ist definitiv in der Landwirtschaft angekommen. Es mehren sich die extrem Wetterverhältnisse. Der mehrmalige Hagel hat sehr viel zerstört. Die Kirschernte in Fraxern viel aus, nicht überdachte Obstkulturen in Höchst wurden zerstört. Waldhonig gab es trotz optimaler Voraussetzungen ebenfalls keinen. Und unsere Lieferanten von der Familie Gehrer mussten um die 200.000 zerfetzte Salate wieder einackern. Es wird mit Sicherheit eine Herausforderung, mit diesen klimatischen Auswirkungen zurecht zu kommen.

Was sind die Ziele der Ländle Gemüsekiste in den nächsten fünf Jahren? Wo soll die Entwicklung hingehen?

Michael Hagspiel: Wir würden gerne mehr Vorarlberger/innen mit unserer Gemüsekiste glücklich machen. Wir streben ein gesundes, stetiges Wachstum an. Gerne würden wir in fünf Jahren circa 1.700 Kisten in der Woche zustellen. Ein weiteres Ziel ist es, so nachhaltig wie nur irgendwie möglich zu agieren. Ich habe heuer bereits eine Photovoltaik-Anlage mit 10,75 kWh bei mir zu Hause montiert, die den Co2 Fußabdruck des Unternehmens verringern soll.

Vielen Dank für deine Zeit und den Interessanten Einblick in deinen Beruf, lieber Michael.

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